Ausflug ins Mekong und unerfreuliche Bekanntschaft mit einem Local

Zwei Tage hat es uns von HCMC aus ins Mekong Delta verschlagen. Mit dem Bus ging es drei Stunden nach Cai Be und von dort aus mit dem Boot weiter. An beiden Tagen haben wir schwimmende Märkte besucht und andere Stationen, wie eine Reisnudelfabrik, einen Obstgarten, eine Fabrik für Kokossüßigkeiten und das Hafenstädtchen Cai Tho abgeklappert.Mekong DeltaDie schwimmenden Märkte waren toll, allerdings habe ich sie mir spektakulärer vorgestellt. Natürlich hat auch in Vietnam die Modernität Einzug erhalten – und das merkt man auch an den nachlassenden Besucherzahlen auf den Märkten des Mekongs. Trotzdem ist es schön zu sehen, dass die Märkte eben nicht nur für Touristen aufrecht erhalten werden, sondern dass Vietnamesen und ihre Nachbarn aus Kambodscha herkommen, um einzukaufen.Girl on a boatDer erste schwimmende Markt war eine Art Metro: Ware kann hier nur in Großmengen abgenommen werden, ab 10 Stück (Melonen, Ananas) oder 10 kg (Kartoffeln): An jedem Boot ist ein Bambusstab zu sehen, an dem gut sichtbar ein Produkt befestigt ist, so dass potentielle Kunden erkennen können, was der Bootseigentümer verkauft. Die Familien leben zum Großteil auch auf dem Mekong, daher geht es auf dem Boot meist lustig zu: Neben Eltern und Kindern tummeln sich auch Hähne, Hunde und Katzen auf den schwimmenden Kähnen.

Dog on Mekong Delta lfsZum Obstgarten wurden wir in kleinen Paddelbooten gefahren, Juliane und ich hatten unseren eigenen Bootsführer, der leider nicht ein Wort Englisch verstand. Im Garten gab es für uns frische tropische Früchte und die etwas muffig riechende Stinkefrucht (die aber bei weitem nicht so abartig stinkt, wie alle immer behaupten, und deren Fleisch sogar ganz gut schmeckt).

paddle boat mekongUnsere Führerin war Nhu, ein nettes Mekongmädchen in unserem Alter. Mit ihr haben wir viel über die Gepflogenheiten und Traditionen der Vietnamesen gesprochen – jedoch auch über die immer währenden Problematiken des Tourismus‘, wie den Sextourismus der Europäer. Sie war noch am Tag vorher von einem Mittsechziger angesprochen worden, ob sie nicht eine Freundin anrufen könne, die er für die Nacht haben könnte. Juliane und ich haben uns wie wild fremdgeschämt und Nhu auch gesagt, dass dieses Thema auch in unserer Heimat bekannt und verpönt ist und dass wir beide es wirklich abartig und unmenschlich finden, dass Männer mit Geld herkommen und meinen, sie können jede Frau kaufen, die auch nur asiatisch anmutet, und mit dieser tun, was sie möchten. Sie sagte auch, das sei ein großes Problem. Wer mich kennt, weiß, wie sehr mich diese Thematik beschäftigt. Wie viele Skrupel ich habe, diese Dinge als gegeben zu akzeptieren und wie viel Fremdscham ich für Europäer mit dem Ziel Asien aus solchen Gründen verspüre. Es ist nicht das letzte Mal auf dieser Reise, dass ich mit dem Thema in Berührung kommen werde, das ist mir klar.

Women on mekong Der zweite schwimmende Markt war aufregender: Hier konnten auch wir Touris günstig Ware erstehen, da die Verkaufsboote nicht alle so groß sind, sondern auch kleine kanu-artige Boote herumfahren und Einzelware feil bieten. Ich erstand eine zuckersüße Ananas für sage und schreibe 25 Cent, andere freuten sich über Banh Mi (Sandwiches), Kaffee oder Schmuck. Die Menschen sind sehr freundlich, scheinen sich nicht an den Massen an Touristen zu stören und kommunizieren gern ein paar Floskeln mit Händen und Füßen.

flowers on mekongDas Englisch der Vietnamesen ist schwer zu verstehen, ist die Sprachmelodie doch so anders und die Aussprache nicht immer richtig. Nhu hat uns erklärt, dass das oft daran liegt, dass die Lehrer ebenfalls Vietnamesen sind, die die Sprache nicht perfekt beherrschen. Deswegen ist eine ihrer drei Englischstunden pro Woche bei einem Muttersprachler. Nhu arbeitet mit ihren 27 Jahren volle sieben Tage die Woche von 7 bis 17 Uhr als Tourguide, danach täglich bis 21 Uhr als Verkäuferin in einem Souvenirshop. Sie sagt, es sei sehr anstrengend, sie habe keine Zeit für ihre Freunde und ihren Partner und fiele nachts nur halbtot ins Bett. Trotzdem arbeite sie lieber hart, als einen anderen Weg zu wählen – zum Beispiel den der Prostitution. Es fällt schwer ihr Leben nachvollziehen zu können, wo wir uns in unserem Wohlstand eine mehrmonatige Reise durch Asien leisten können und Nhu es bisher nicht mal nach Hanoi, in die Hauptstadt geschafft hat. Eine Begegnung die bereichert, aber auch nachdenklich gestimmt hat. Wie viele auf meinen Reisen. Vielleicht ist es das, was mein Herz so begeistert, meinen Geist bereichert: Ich sehe nicht nur all diese tollen Orte, sondern tausche mich mit Menschen aus, die interessant sind, meinem Leben aber auch einen anderen Anstrich geben und mich hinterfragen lassen.

Zurück in Ho Chi Minh ging es zur Ladies Night im LUSH – tanzen mit wilden Asiaten und trinken mit abgerockten Backpackern. Auf dem Heimweg dann die Begegnung mit dem mindernetten Vietnamesen. Juliane, die Kluge (ich nenne sie hier auch gern mein Hirn, weil sie strukturiert denkt und die Planerin ist, ich lasse mich ja eher treiben in so Situationen), hatte eine kleine Handtasche, die man am Handgelenk festknüpfen kann. Top Idee, dachte ich mir, und schwups hatte ich auch so eine erstanden. Zur Party habe ich dann glücklicherweise nur ein paar Dong und mein Handy mitgenommen.

Etwa 5 Minuten vom Hostel entfernt, kommt mir so ein Pottschnitt-Typ Mitte vierzig entgegen, reißt mir die Tasche vom Handgelenk und rennt. Ich habe irgendwie intuitiv sofort geschaltet und bin, in Begleitung von ein paar vietnamesischen Augenzeugen, hinterher.  Der Gute war nicht mal schnell und wir hätten ihn auch bekommen, hätte er sich nicht in den schmalen Gassen besser ausgekannt und wäre irgendwo in einem Haus verschwunden.

Nun ja: Handy weg, paar Euro weg, neu gekaufte Tasche weg. Ich war sehr verärgert, weil es (ausnahmsweise) mal nicht die Schuld meiner Dusseligkeit oder meiner Leichtgläubigkeit (oder meines Weinkonsums) war. Ich stand einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Nun darf der Herr sich über ein iPhone 4 freuen, mit dem er nichts anfangen kann: Durch das Betriebssystem iOS 7 ist das Handy gesperrt, ich habe zusätzlich eine Info darauf gespielt, die bewirkt, dass es (falls online) sofort meldet, dass es gestohlen wurde und auch die Karte ist gesperrt. Pech für uns beide. Neues Handy ist schon am Start – zum Glück ist Apple hier um Ecken billiger als bei uns. Ganze 200 Euro günstiger konnte ich das iPhone 5c erstehen und Steuer wurde auch noch refunded. Trotzdem doof: Die Reise wird teurer und teurer. Dafür konnte ich mich auf Sonne, Strand und Meer freuen – im Januar (wie warm ist es bei euch noch mal?).Koh Samui chaweng beachGestern Abend sind wir dann über Bangkok nach Koh Samui geflogen: Hier ist es brüllend heiß und touristisch, was der Schönheit des Strandes und der Klarheit des 26 Grad warmen Wassers jedoch keinen Abbruch tut. Leider bin ich zu allem Übel auf einmal tierisch erkältet (Karma? Klimaanlage? Klaustress?) und hoffe das ändert sich schnell – schließlich will ich die Sonne genießen können. Ich tauche schon immer fleißig unter, damit das Salzwasser meine Bakterien ausspült 😉happy on Koh SamuiBald geht es weiter nach Koh Tao und dann nach Koh Phangan – eine der berühmt-berüchtigten Vollmondpartys inklusive. Mehr dazu in Kürze. Jetzt ist Schluss – Schnupfengruß (alte Tagebuchangewohnheit aus der zweiten Klasse: Lasse jeden Eintrag mit einem Reim und dem Wort „Gruß“ enden).