Die unberührte Schönheit Burmas und wie es sich anfühlt in einem Land zu sein, wo jeder sich über deine Anwesenheit freut

Bangkok war weiterhin wenig spektakulär, da ich, noch immer geschwächt von der fiesen Malaria, nicht zu sehr viel in der Lage war. Bis zu unserem Flug nach Myanmar, ehemals Burma, waren wir eher out of order als up to date.

Ihr wundert euch sicher, wieso es so lange (13 Tage um genau zu sein) keine News gegeben hat, aber das Internet hier wird von den Hostelbesitzern nicht umsonst als Myanmar-Wifi angekündigt. Manchmal funktioniert es, meistens nicht. Und wenn, dann bricht es spätestens da ab, wo es elementar gebraucht wird – zum Beispiel mitten im Zahlungsvorgang beim Flug oder beim Hochladen eines Blogbeitrags. Es gibt hier auch kein Handynetz, viele Burmesen haben Handys einfach nur als Statussymbol, ohne auch nur irgendetwas damit anfangen zu können… ATMs, also Geldautomaten? Fehlanzeige! Die kann man nur mit burmesischen Karten nutzen. Wir mussten nagelneue Dollarscheine einwechseln, da darf kein Fleck drauf, kein Knick drin, kein Staubkorn dran sein, sonst bekommt man hier keine Kyat.

DSC02354

Angekommen in Yangon ging es ab in Hostel, die sind hier relativ teuer, zu Beginn ein echtes Ärgernis, aber betrachtet man den Rest des Landes und die Art des Tourismus, die es hier noch gibt, so ist das wahrscheinlich das Beste, was die Myanmarbewohner tun können. So bleiben die eher primitiven Sauf- und Sextouristen weg und überschwemmen das Land nicht so wie Kambodscha oder Thailand. Zimmer war clean und nett, Hostelbesitzer ebenso. Nur die Zähne nicht 🙂 Die guten Herren hier sind nämlich Riiiiiiiesenfans vom Betelnusskauen, genau wie viele Inder. Man könnte es als eine Art Kauhtabak beschreiben, ein Blatt, Paste, die Betelnuss, Gewürze und das ganze Gemisch führt zu einer extrem roten Spucke, die wiederum zu blutig wirkenden Flecken auf den Straßen und zu übermäßig schlechten Zähnen. Lacht dich so ein Burmese an – und Touristen anlachen tun viele hier gern – sieht das aus, als habe derjenige gerade eine Antilope gerissen und roh verspeist. Nicht gerade sexy.

boys

Ansonsten sind die Burmesen aber echte Herzchen. Da der Tourismus hier noch in den Kinderschuhen steckt, freuen sich alle Locals unglaublich über Besucher wie Juliane und mich. Sie lachen herzlich und man kann so viele Menschen mit einem einfachen „Hallo“ und einem Lächeln glücklich machen, dass es schwerfällt das zu verwehren. Also grüße ich tagtägliche mehrere Dutzend Burmesen: Alte, Junge, Kinder, Teenies, Straßenverkäufer, Schulkinder, Geschäftsmänner und Greise, die am Straßenrand sitzen. Auf jedes freundliche Zunicken unsererseits oder ein vorsichtiges Lächeln folgen breite, zahnlose Grimassen und schallendes Lachen und die Menschen scheinen einfach glücklich, nur wegen einem belanglosen Gruß von uns tollen, blonden Europäerinnen. Was so viel toller an uns ist, als an diesen wunderbaren, herzlichen Menschen, bleibt fraglich. Dennoch ist es schön, das Gefühl zu haben, jeder freut sich über deine Anwesenheit und niemand will dir etwas. Lässt du dein Portemonnaie im Restaurant liegen oder dir fällt die Sonnenbrille herunter, stecken die Burmesen das wertvolle Gut nicht ein, sondern eilen dir hinterher, um es zurück zu geben. Gleichzeitig macht mich die Situation hier nachdenklich. So viele Menschen haben gelitten und leiden noch, so viel Armut, von der sich niemand unterkriegen zu lassen scheint – wie muss es für die Menschen in Myanmar sein, uns zu sehen, die wir uns eine Reise leisten können, die wir herkommen aus einem Land aus dem die meisten vor allem Bayern München und Borussia Dortmund kennen und wissen, dass dort alle „reich“ sind und eine gute Regierung haben? Es ist schwer sich vorzustellen, dass man hier noch immer Probleme hat mit dem ehemaligen Regime und das Menschen noch vor vier Jahren zu Gefängnis und Zwangsarbeit verurteilt wurden. (Dazu mehr in einem weiteren Beitrag). Umso glücklicher macht es mich, zu sehen, wie unglaublich herzlich und offen die Burmesen sind, wie dir alte Greise in der Straßenküche von ihrem Essen anbieten und die Frauen sich ehrlich und aufrichtig darüber freuen, wenn man das Wort an sie wendet. Die Burmesen haben sich abgefunden mit der Vergangenheit und streben nach Veränderung. Sie schauen nach vorn und nicht zurück und freuen sich über die reichen Menschen aus dem Westen, nicht nur weil sie Geld, sondern auch weil sie Interesse mitbringen und ein Lachen. Zumindest wir tun das 🙂

1920836_10203111124358783_1267143404_o

 

1902387_10203111127998874_533423216_o

1781514_10203111317643615_1013268406_n

Bei unserem ersten Besuch in Yangon haben wir die Shwedagon Pagode besucht, eins der Wahrzeichen Myanmars. Sie ist unglaublich opulent und blendend schön – für die Burmesen ist wertvolles Gold das höchste Gut um ihre Liebe zu Buddha zu zeigen. Sind die Menschen noch so arm, an der Pagode haben sie nicht geknausert, sondern ein Monument geschaffen, das seinesgleichen sucht. Mit den nackten Füßen über den kalten Stein, ist es ein echtes Erlebnis. Selbst Kleinkindern wird hier das Einmaleins der buddhistischen Religion beigebracht, so auch wie man richtig betet. Wer Buße tun will, bekommt einen Besen in die Hand und darf die Fläche rund um die Pagode fegen.

1779365_10203111094918047_1516852731_n-(1)

Eine Gruppe Mönche sprach uns an, ob sie von ihren „Schwestern“ ein Bild mit uns machen könnten. Das ist sehr selten: Zwar lächeln die Mönche einem immer nett zu, aber sie sind sehr zurückhaltend, nahezu verschüchtert. In diesem Fall hat sich einer sogar getraut sich wortlos dazu zu stellen 🙂 Mönche dürfen hier so ziemlich alles (mehr dazu in einem bald folgenden Beitrag), sie dürfen scheinbar auch AUF die Pagode klettern um das Heiligtum zu berühren.

1798270_10203111097558113_1147460463_o

1655154_10203111317563613_2091214944_n

Zum ersten Mal schreibe ich im Nachhinein, also nach allen Eindrücken und Erlebnissen und habe den Eindruck als Ganzes im Kopf. Myanmar hat gleich mein Herz gewonnen und führt die Hitliste an zurzeit. Mehr dazu gibt es die kommenden Tage.