Bagan: Eine Busreise, die ist lustig

Der Bus von Kalaw nach Bagan war ein echtes Erlebnis: Die Serpentinen waren halb so schlimm wie in anderen Ländern, aber die Burmesen offensichtlich doppelt so anfällig für Reiseübelkeit wie wir. Zu Beginn bekamen wir vom Busfahrer jeder mehrere Mülltüten und Juliane und ich fragten uns schon wieso, bis der erste Burmese geräuschvoll anfing zu kotzen. Normalerweise ekele ich mich ziemlich davor, wenn andere sich übergeben müssen, aber hier war es nur noch lustig. Juli und ich waren beide mit Ohropax ausgestattet und trotzdem hörte man die ganze Zeit ein melodiöses Würgen, Röcheln und Spucken, wenn sich wieder einer unserer Mitreisenden übergab. Die Tüten wurden ganz hygienisch aus dem fahrenden Bus geworfen und als einer der Kotzer sich in den Mittelgang des Busses erbrechen musste, holte der Fahrer einfach ein bisschen Sand und Staub von der Straße und deckte das Erbrochene damit ab. Die Burmesen scheinen auch kein Mittel dagegen zu kennen, denn anstatt (wie unsereiner es lernt) nach draußen zu schauen und einen Punkt zu fixieren, schlossen sie allesamt die Augen und die Gardinen und verloren dementsprechend immer mehr die Gesichtsfarbe und den Inhalt ihres Magens gleichermaßen.

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Nach anstrengenden Stunden kamen wir dann im staubigen, heißen Bagan an und durften in unsere Zimmer einchecken – ein kleines, altes Hostel direkt an der Hauptstraße (mit burmesischem Wifi, das nur auf dem Balkon funktionierte). Bagan erkundet man am besten mit dem Fahrrad oder mit einem Pferdewagen. Ich denke, diejenigen, die mein persönliches Reisetagebuch verfolgen, können sich denken, welche Fortbewegungsmethode wir gewählt haben. Bagan ist heiß, trocken, staubig und alt, aber dennoch toll. Die alten Tempel (ebenfalls viele aus dem 10. Jahrhundert) sind atemberaubend schön und wirken wie weise alte Männer, die gemeinsam auf einem Acker stehen; trotzdem haben Ankor und andere Bauwerke mich persönlich nachhaltiger beeindruckt. Die Burmesen legen noch weniger Wert auf Instandhaltung und Pflege, als viele der anderen asiatischen Völker – vielleicht weil sie eben bis 2010 viele andere Sorgen hatten und auch heute noch haben.

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Unser betelnuss-kauende Fahrer brachte uns mit seinem Gaul von Ort zu Ort – mittags musste ich dann leider abbrechen, weil mein Magen nicht mehr wollte. Ich war schon die Tage davor nicht richtig fit und hatte (zum Glück) in Bangkok Tabletten gegen Magenkrämpfe bekommen. Dabei habe ich auch gleich das internationale Zeichen für Durchfall erlernen dürfen, weil alle Asiaten von Grunde auf direkt erstmal davon ausgehen, dass das der Grund für die Magenprobleme ist. Als ich dem netten Herrn in der Apotheke dann erklärte, dass DAS nicht das Problem sei, sondern Magenkrämpfe, die so schmerzhaft waren, dass ich kaum liegen, geschweige denn etwas anderes tun konnte, schien er ganz enttäuscht. Leider wusste ich dann in Myanmar nicht mehr genau, wie die Tabletten wirken, denn in Thailand bekommt man nicht die ganze Packung der Tabletten, wenn man ein paar kaufen möchte. Ich durfte in der Apotheke nur kurz einen Blick auf die Packungsbeilage werfen und bekam dann einen einzelnen Streifen der Pillen mit. Nun ja, viel hilft bekanntlich viel, also hab ich mich schön davon ernährt.

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Den romantischen Sonnenuntergang über den Tempeln musste Juliane sich dann auch allein ansehen; ich lag flach und auch dabei ging es mir nicht gerade prickelnd. Nach knapp zwei Tagen ohne richtiges Essen, ging es mir am letzten Tag in Bagan dann besser und wir Grazien haben uns mit einem Tag am Pool belohnt. Im Thante Hotel durften wir für sage und schreibe sechs Dollar den tollen Pool nutzen und bekamen netterweise zur Begrüßung auch noch hausgemachtes Kokoseis und später Canapees gereicht. Ein rundum entspannter Tag also. Am Abend hat uns um 20 Uhr der JJ EXPRESS Luxusbus abgeholt, um uns zurück nach Yangon zu bringen. Das war endlich mal ein Bus nach unserem Geschmack. Viel Platz, Sitze zum verstellen und freie Decken und Trinkwasser für alle. Da machten uns die neun Stunden Fahrt nach Yangon fast nichts aus. Außerdem wartete dort nicht nur leckeres Essen auf uns, sondern auch eine Taxifahrt mit einem Exhäftling des Militärregimes – eine Tour, die wir uns schon bei unserem ersten Aufenthalt in der Stadt vorgenommen hatten. Aber dazu bald mehr 🙂

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