Hello Singapore! Nice to meet you.

14 Stunden Flug und 20 Grad Temperaturunterschied: Auf Wiedersehen Düsseldorf und hallo Singapore.
Nachdem ich mir in Dubai drei Stunden um die Ohren geschlagen habe, ging es endlich weiter nach Singapur. Auf dem Flug wurde nicht nur lauthals in sämtlichen Sprachen krakeelt, sondern zu den gegeben Uhrzeiten auch gebetet – die Malaysier sind ja zum Großteil Malaien und somit muslimisch. Da ein Gebetsteppich nicht gerade platzsparend ist und natürlich auch kein Becken für das Reinigen vor dem Beten an Bord war, wurde sich mit einem Erfrischungsspray Abhilfe geschaffen und provisorisch gereinigt, bevor in angenehmer Lautstärke und beruhigendem Murmelton gebetet wurde. Die ideale Einschlafhilfe nach sechs Wochen Dauerstress aufgrund eines viel zu spät realisierten Uniabschlusses.

Singapur by night LFS

Lucien und Juliane haben mich natürlich abgeholt – mich hat fast der Schlag getroffen, als ich mit Fleecepulli und Leggings in die schwüle Sommerregenluft nach draußen kam. Die Wiedersehensfreude war groß – Lucien hat sich seit 2008 kaum verändert und Juliane ist natürlich auch noch mein Julianchen – außer, dass sie sich nach fünf Monaten China bereits mit den asiatischen Gepflogenheiten bekannt gemacht hat – ganz im Gegenteil zu mir, wie der Abend später noch gezeigt hat.

Luciens Familie lebt nicht im Zentrum; kaum jemand tut das, weil die Preise in Singapur einfach horrende sind. Die Wohnung hat vier Zimmer plus Küche (ca.110 qm) und kostet um die 300 000 Euro Kaufpreis. Man darf sich jetzt keine durchgestylte Wohnung europäischer Standards vorstellen, ganz im Gegenteil: Das Viertel liegt außerhalb, mit vielen Plattenbauten und unglaublich vielen Wohnparteien. Das Klo ist gleich neben der Küche – ohne Waschbecken und Spiegel – dafür mit ästhetischem blauen Plastikklo, welches natürlich nass wird wenn man duscht. Mit dem Taxi vom Flughafen kostet es 30 SP Dollar – das sind ca. 17 Euro und für das Geld würde man bei uns nicht mal vom Stadtteil Flingern (meinem aktuellen Wohnort) zum Düsseldorfer Airport kommen.

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Luciens Eltern sind Chinesen, sprechen chinesisch untereinander und mit uns ein wenig Englisch. Singapurs Bewohner sind zum Großteil Chinesen, Malaysier und Inder – ein netter Meltin Pot, westlich, aber trotzdem anders. Es ist kein großer Kulturschock, aber es ist eine andere Welt. Nachdem ich etwas kopflos geduscht und mich umgezogen hatte, ging es mit dem Taxi Richtung Innenstadt. War wohl eine hippe Gegend – ich hatte nur Hunger und habe mich darauf konzentriert.

Asian Dish LFs

Nachdem wir uns einen Chinesen ausgesucht hatten, hat Lucien gemeinsam mit Juliane von der Karte gewählt – ich habe mich schon gewundert wieso hinter den Fröschen, Krabben, Aalen usw. immer LIVE stand. Tja, es kam ein Tischherd mit Gasflamme und Topf mit Suppe – darin schwamm Gemüse und allerlei Fischteile inkl. Kopf – was die Suppe sehr schmackhaft gemacht hat. Dazu gab es rohe Pilze, Eisbergsalat, rohes Rinderfleisch, Fleischbällchen, Oolong Nudeln, die man selbst dazu geben konnte und: die Gambas. Die waren leider auch LIVE und krabbelten noch bzw. versuchten das zumindest. Als einfaches Nervenzucken konnte man das leider nicht abtun und ich alter Tierschützer bin fast vom Stuhl gefallen und war den Tränen nahe … Lucien hingegen hat das eher als Zeichen genommen, dass alles sehr frisch und hochwertig war – frischer ging ja auch kaum.

garnelen Singapur lfsNatürlich habe ich durchgesetzt, die Suppe schnell sehr heiß aufzukochen, um den fleuchenden Viechern ein schnelles, orange-farbenes Ende zu machen – selbst hineinwerfen konnte ich sie dann aber nicht.

HotPot Singapur lfs

Essen ging dann irgendwie doch ganz gut … nachdem ich den Teller auf dem sie vorher lagen ignorieren konnte und einfach an was anderes gedacht habe. Lucien meinte ich solle dann besser nicht nach Korea, wo ich eigentlich auch unbedingt noch hin will. Ich will gar nicht wissen wie live die Frösche gewesen wären …oder der Hummer. Ich würde mal vorsichtig behaupten, Juliane und Lucien haben sich ziemlich amüsiert, wie ich bei jedem Zucken kurz vor einem Nervenzusammenbruch war. Meine liebe Mutter konnte die Reaktion natürlich nach Berichterstattung sehr gut verstehen; meine Vegetariercommunity lässt wahrscheinlich einen Shitstorm auf mich nieder, dass ich trotzdem mit gegessen habe.

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Girls and boy Singapur

Anschließend haben wir uns in einer netten Bar endlich den wohlverdienten Weißwein gegönnt – wobei der Hauswein mit 50 SP Dollar pro Flasche, also ca. 30 Euro ordentlich kostspielig war. Aber am ersten Tag drückt man schon mal beiden Augen zu und aus ’nem Glas Wein sind schnell drei Flaschen geworden … ein bisschen Kopfschmerz inklusive. Aufgrund des Jetlags lag ich leider auf meiner Asiamatratze trotzdem bis sage und schreibe 7 Uhr morgens wach. Daraus haben Lucien und ich dann eine Diskutierstunde über Themen wie neu aufkommender Fremdenfeindlichkeit in Deutschland, Anti-Homosexuellengesetze in Russland und asiatischem Rassismus gemacht. Es ist unglaublich wie lange man sich nicht sehen und trotzdem so schnell die Welle wiederfinden kann, auf der man schon mit 19 jung und unverbraucht gemeinsam gesurft ist. So jetzt heißt es ab in die Dusche zu meinem geliebten blauen Plastikklo und dann auf Silvester warten. Wir sind ja hier sieben Stunden früher dran. In dem Sinne schon mal einen guten Rutsch.

Vacation