In Vietnams pulsierender Südstadt Ho Chi Minh City

Nach einem weiteren entspannten Tag in Singapur ging es per Jetstar in Vietnams pulsierende Südstadt Ho Chi Minh City, ehemals – und bei vielen Vietnamesen noch immer – Saigon genannt.

Girl who travelIch habe viel gesehen von Vietnam, noch mehr gehört – aber es so anders erwartet, dass mich praktisch nur der Schlag treffen konnte, als wir angekommen sind. Ich hatte es mir sauberer vorgestellt, fortschrittlicher und geordneter, doch schon auf der Taxifahrt sind Parallelen zu Indiens Großstädten unverkennbar. Der Verkehr steht Mumbais und Delhis in nichts nach, nur fahren hier anstatt Rikschas tausende Motorräder und Roller. Helme trägt, ganz wie gewohnt, meist nur der Fahrer – vor allem die Kinder dürfen ohne Schutz mit.

Ho Chi MinhBei unserer Ankunft waren wir leicht überfordert bei dem Versuch die Straße zu überqueren – Motorroller aus jeder erdenklichen Richtung, dazu Autos, Fahrräder und Reisebusse. Das Hostel liegt etwas versteckt in einem Seitengässchen, ist aber solide und angenehm. Liegt wahrscheinlich am stolzen Preis von 7 Euro die Nacht – pro Person. Sowas bin ich nicht gewöhnt von Asien und muss mich auch erst mit dem Gedanken anfreunden, meine Reiseportemonnaie täglich um Summen wie diese zu erleichtern. Die Vietnamesen verstehen es Geschäfte zu machen, trotzdem sind sie nicht ansatzweise so beharrlich und teilweise auch aufdringlich wie viele Inder; gebettelt wird hier kaum. Keine Straßenhunde oder Schweine, dafür Chihuahuas und Pekinesen an der Leine und Katzen, die der Vietnamese durchaus auch streichelt oder auf den Arm nimmt.

Vietnamese womanHo Chi Minh gilt alt die kulinarische Hauptstadt Vietnams und unsere Reiseführer haben nicht zu viel versprochen. Manche Kombinationen sind etwas gewöhnungsbedürftig, andere schmecken so, als wolle man ab sofort nie wieder etwas anderes essen. Das Obst ist frisch und süß, das Bier kühl, mild und günstig (ab 30 Cent) und die Menschen nett und offen.

Am Freitag haben wir uns ins LUSH gewagt, einen renommierten Club im besseren Viertel, an dem freitags regelmäßig HipHop-Partys stattfinden. Leider ist HipHop bei den Asiaten eine abgefreakte Kombination aus harten Elektro- bis Technobeats mit Brülllauten à la Lil John. Zu dem eher unrhythmischen Geplärre kam der Kulturschock: Hunderte feierwütige Chinesen, Vietnamesen und andere Asiaten, alle auf dem Hoch ihrer Gefühle – springend, jubelnd, schreiend. Die Augenhöhe so in etwa auf der Höhe meiner Brustwarzen, hatte ich minimale Skrupel zu tanzen, aus Angst ihnen weh zu tun oder ihnen meine feuchten Achseln ins Gesicht zu drücken. Der Abend war trotz all den Kuriositäten spaßig, inklusive der rasanten Heimfahrt auf dem Mofa. (Fotos können leider unter keinen Umständen veröffentlicht werden ;-))

Vietnamese foodHeute haben wir dann einen Ausflug mit dem Schnellboot gewagt, zum nächstgelegensten Strand. Leider ein absoluter Reinfall. Wetter mies (warm aber diesig), Strand mies (kaum vorhanden), Schnellboot zu teuer (und bestückt mit sich übergebenden Asiaten). Danach war Stress angesagt. Nachdem es morgen ins Mekong geht, wollten wir am Mittwoch eigentlich weiter nach Phnom Penh, Kambodscha. Kambodscha sollte der geheime Höhepunkt unserer gemeinsamen Reise werden. Leider machen uns Opposition, Regierung und Textilarbeiter einen Strich durch die Rechnung. Nach einer Demo der Textilarbeiter, die den doppelten Lohn für ihre Arbeit verlangen (aktueller Mindestlohn liegt bei 57 Dollar im Monat – verständlich dass die vorrangig weiblichen Arbeiter eine Erhöhung verlangen, schließlich nähen sie unter anderem bekannte Sneakermodelle, die bei uns für 140 Euro verkauft werden), hat die Regierung hart durchgegriffen und das Feuer auf die Demonstranten eröffnet. Dabei kamen einige ums Leben. Die Opposition hat nun Proteste für die nächsten Tage und Wochen ankündigt, die laut Regierung wenn nötig blutig niedergeschlagen werden. Reisewarnungen gibt es auch schon und auch im Süden und in einigen Touristengebieten gab es schon brutale Übergriffe. Nicht gerade ideal für unsere Absichten – zudem man nur noch im Konvoi fahren soll und wir das nicht gewährleisten können. Nach viel Unmut und Diskussionen haben wir nun mit einem weinenden Auge für Mittwoch Flüge auf die Thai-Inseln gebucht. Das stand eigentlich nicht auf unserer Liste, aber wir brauchen Ersatz, der relativ zentral liegt. Das hat leider nicht nur ein Heidengeld gekostet, sondern bringt auch sämtliche Pläne durcheinander. Wir hoffen noch immer, dass die Lage sich beruhigt (nicht nur unseretwillen, sondern auch um der vielen, die in ihrem Land darunter leiden) und wir vielleicht später einreisen dürfen, um wenigstens Ankor Wat und das Kriegsdenkmal der Khmer sehen zu können.

Saigon by night

Taek won doEin bisschen lacht mein Herz natürlich auch, bei dem Gedanken an Strand, Meer, 30 Grad und der Option leckerer Thai-Gerichte. Wir werden sehen was die nächsten Wochen bringen. Eins ist sicher: Ich gehe mit offenen Augen durch diese schöne Welt, mein Herz sprudelt über und ich fühle mich prädestinierter und gesegneter denn je, in der Position zu sein, dass ich mir solche Reisen leisten kann, den Mut und die Neugier dazu habe und dass es Menschen wie Juliane gibt, mit der ich abends in Asien in Kims Café sitzen kann, scheußlichen Rumpunsch trinke und über Privatinsolvenz, Kinderprostitution und die Kardashians diskutieren und lästern kann. Hasta luego, mis amigos.