Leben an und mit dem Inle-See oder die Liebe des Bootsjungen

Von Yangon ging es per Nachtbus nach Nyaung Shwe, einem kleinen Dorf am berühmten Inle See. Busfahrtechnisch waren wir auf alles vorbereitet, denn in jedem Reiseführer und im Internet stand, dass die Straßen unglaublich schlecht seien und die Busse alt und langsam. Nachdem unser Taxifahrer uns am Busbahnhof abgesetzt hatte, sah auch erstmal alles danach aus: Die Busse alt und dreckig, hunderte Menschen, ein staubiger Platz, keiner sprach Englisch. Von innen war unser Bus dann aber erstaunlich in Ordnung. Man konnte sogar die Sitze etwas nach hinten klappen (nicht die schlechteste Idee wenn man zehn Stunden durch die Walachhei fährt) und es gab Trinkwasser. Leider tendieren die Asiaten dazu den ganzen Bus mit Musik oder Filmchen zu beschallen, dafür gibt es in jedem noch so schäbigen Bus mindestens einen Flatscreen. So auch dieses Mal: Die Filme waren allesamt thai oder chinesisch und es wurde andauernd hysterisch herumgeschrien, sich mit lauten Quiecklauten erschrocken oder jemand geräuschvoll verprügelt. Zum Glück hatten wir Schlauberger Ohropax dabei. Nachts ist es bitterkalt geworden, so kalt, dass wir uns am Rucksack die zweite Strickljacke holen mussten, um nicht dauernd mit den Zähnen zu klappern.

Am Inle See wohnten wir im Teakhouse Hotel. Schon im Internet wurde die Besitzerin als geldgierige Schlange angekündigt  – und ich sage mal so: Es wurde definitiv nicht zu viel versprochen. Die Dame war überdurchschnittlich reich und attraktiv, was ihren Charakter leider nicht schöner gemacht hat. Die kleine Hexe hat hier und da immer mal wieder unpassende Kommentare fallen gelassen, die einem das Gefühl gegeben haben man sei vielleicht nicht ganz so erwünscht, und bei einem Blick auf ihre Unterlagen konnte man sehen, dass sie sich jede Sonderleistung deftig extra hat bezahlen lassen.

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In Nyaung Shwe gibt es nicht viel; zwei drei staubige Straßen, drei vier Hostels, vier fünf nette Restaurants und Teestuben. Das Dorf hat ein ganz eigenes Flair: Die Menschen sind freundlich und offen, leben aber noch traditionell mit ihren Großfamilien zusammen und ziehen Geld aus dem Tourismus oder dem Leben am, im und auf dem See. Am ersten Tag haben die Ex-Leichtathletik-Queen Juliane und die Ex ….ähm-manchmal-reiten-gehen, Ex-ich-gehe-einmal-die-Woche-ins-Fitnessstudio (weil es da Getränke umsonst gibt), Ex-ich-fahre-mit-dem-Fahrrad-zur-Arbeit (ach nee, dann muss ich das ja erst aus dem Keller hochtragen) Maren sich zwei unglaublich geländetaugliche Fahrräder geliehen und sind damit zu den heißen Quellen am Inle gefahren. Die Straße (? Weg? Schottergasse?) war staubig und holprig, aber schattig, zumindest zu Beginn, und man ist an kleinen Dörfern vorbeigekommen und hat das echte Landleben sehen können. Nach einer guten Stunde sind wir dann angekommen. Leider stellten sich die heißen Quellen als ein Spa mit drei Mini-Pools heraus, einer für Damen, einer für Herren und einer gemischt, für den die hier sehr geschäftstüchtigen Burmesen dann auch noch (jeweils!) zehn Dollar Eintritt haben wollten. Juli und ich, beide schon im Bikini also kurzerhand umentschieden und wieder zurück auf das Fahrrad (da hat sich dann das erste Mal der Hintern bemerkbar gemacht). Auch wenn das Ziel eher enttäuschend war, war die Tour doch schön und es hat sich gut angefühlt sich mal wieder zu bewegen – nachdem wir uns zuvor nahezu wundgelegen haben… (gibt es da ein gutes Mittel gegen außer immer wieder wenden??? Mama?)

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Am nächsten Tag gings um 7 Uhr morgens per Privatbootführer auf den Inlesee. Der Bootsjunge war 27 und brachte uns zu seinem motorisierten Kahn, wo zum Glück auch Decken auf uns gewartet haben, sonst hätte ich mir wahrscheinlich den Arsch (pardon) abgefroren. Auf dem Fluss der zum Inle führt, ist schon morgens allerhand los. Die Menschen hier leben am und mit dem Wasser, sie waschen ihre Wäsche darin, fischen, baden und waschen sich und fokussieren ihren Lebensmittelpunkt darauf. Juli und ich saßen bequem in dem schmalen Kutter und konnten uns ein Bild von diesem noch unberührten Leben machen, das in keinster Weise für die Touristen gestellt war, sondern einfach pur und echt. Selten hat mich etwas so sehr fasziniert. Am Anfang sind die Häuser noch am Ufer gebaut, dann beginnen die ersten Stelzenhäuser und später gibt es komplette Siedlungen die im Wasser auf Holzstelzen stehen. Hier findet man auch die schwimmenden Gärten: auf schwimmendem Seegras angebaute Beete. Die Untergründe würden wegschwimmen und sind deshalb mithilfe von Bambusrohren im Boden verankert. Darauf bauen die Inntha, wie das Volk am Inle heisst, alles mögliche an: Tomaten, Chili, Salat und vieles mehr. An jedem Haus hat jemand fröhlich gewinkt oder uns einen einzigartigen Einblick geboten.

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Auf dem See selbst fischen die Inntha-Männer so, wie sie es schon seit Generationen tun. Sie rudern mit einem Fuß ihre Boote über den See, lassen eine große Räude ins Wasser und stechen mit einer Art Dreizack-Harpune oben in die Öffnung hinein. Das Fischen ist mühselig, unser Bootsjunge erklärte uns, dass sie so maximal fünf Kilo am Tag fangen. Dennoch halten sie an ihrer Tradition fest und ernähren so Familien, verdienen Geld und haben eine Bestimmung.

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Neben allerlei Pagoden (davon habe ich die nächsten Jahre erstmal genug gesehen) haben wir auch eine Weberei, eine Metallwerkstatt und andere interessante Stätten besucht. Eine davon ist ein vollkommen hölzernes Kloster, in dem die Mönche früher Katzen dressiert haben, so dass diese durch Reifen und allerlei anderes Gerät gesprungen sind. (Ja, die Mönche hier haben viel Zeit, aber dazu bald mehr). Heute gibt es noch Mönche und Katzen, aber die springen nicht mehr (außer einer, die von einem übereifrigen Burmesen per mehrfachem Schnippen gegen ihr Kinn dazu gezwungen wurde durch seinen mit den Armen geformten Ring zu springen). Süß sind sie natürlich trotzdem…

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Ab da nahm das Schicksal seinen Lauf: Der Bootsjunge, 27 Jahre alt und eher mäßig begabt was das Englische anging, hatte uns gefragt ob wir verheiratet oder vergeben seien und die aufrichtige Juliane hat dies natürlich verneint. Da entflammte bei dem winzigen Burmesen eine hartnäckige Form der Zuneigung, von der er ihr auf unserer weiteren Bootsfahrt mehrfach erzählte und immer wieder fragte, ob sie seine Liebe denn erwidere (I Love you. You love me?) Auch der Ausblick darauf, dass Juli und ich zwei Tage später abreisen würden, änderte nichts daran, dass er unbedingt Julianes boyfriend werden wollte (die hat bei den Burmesen eh einen guten Run, wird andauernd gefragt, ob sie sich einen Freund aussuchen möchte oder ob sie einen Lover braucht). Am Ende hat er sich dann entschuldigt und traurig geschaut, wie wir von dannen gezogen sind.

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Das Essen in Burma ist anders, es erinnert ein bisschen an die osteuropäische Küche: Sehr fett, viel Fleisch, keine scharfen Gewürze – kurzum null exotisch. Die Curries sind deftig und nahrhaft, überraschen durch osteuropäische Noten kombiniert mit asiatischem Gemüse. Trotzdem mehr als lecker. Die traditionellen Salate, wie der Teeblatt- und der Tomatensalat sind ein echter Knaller. Frisch und würzig und so viel mehr als man erwartet. Mir hat es vor allem der burmesische Tomatensalat angetan, mit viel Zwiebel, Sesam, Erdnuss und Gewürzen – hmmm, da könnte ich mich reinsetzen. Auch die Shan-Küche (Shan bezeichnet eine Minderheit in Burma und dies ist ihre Art zu kochen) hat mich begeistert: Nudelgerichte in allen Formen und Farben, vor allem aber würzige Nudelsuppen und intensiv schmeckende Nudelsalate.

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