Melaka – ein wenig niederländisches Flair in Malaysia

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Von Singapur aus ist man ganz fix in Malaysia; der Stadtstaat ist direkt mit seinem Nachbarland verbunden und mit dem Bus sind es nur ein paar Stunden in die im Süden gelegene Stadt Melaka. Melaka ist klein, überschaubar aber trotzdem mit einem ganz besonderen Flair: Hier waren so ziemlich alle Besetzer, die Malaysia je besucht haben, die Briten, die Portugiesen und die Holländer. Vor allem die Anwesenheit letzterer ist quasi spür- und vor allem sichtbar: Melaka hat Grachten wie Amsterdam, die befestigten Ufer mit ihren Cafés und Restaurants laden zum Flanieren ein und die kleinen Sträßchen geben einem nicht das Gefühl in Asien zu sein. Selbst Chinatown mutet allerhöchstens durch die vielen Lampions und kleinen Tempel chinesisch an.

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Früher war Melaka eine der bedeutensten Hafenstädte Malaysias, große Schiffe aus aller Welt lagen hier vor Anker. Heute hat die Stadt viel weniger Einwohner, nämlich circa 370 000. Der Hafen spielt im internationalen Kontext kaum eine Rolle mehr, nur noch die Küstenschifffahrt hat hier ihren Anteil, da das Wasser für Überseeschiffe nicht genügend Tiefgang hat.

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Malaysia selbst ist ein Meltin Pot. Das Land ist zum Großteil muslimisch geprägt, aber zu finden ist hier alles was die Weltreligionen hergeben. In Städten wie Melaka geht es entspannt zu, Chinesen, Malayen und alle anderen Nationalitäten und Religionen koexistieren, es gibt buddhistische und hinduistische Tempel und nur wenige Meter davon entfernt die ein oder andere Moschee. Die Menschen sind freundlich, unaufdringlich und hilfsbereit, sie freuen sich über den Austausch und in Bus und Bahn wird man fast immer von einem breiten Grinsen empfangen. An der Ostküste Malaysias gibt es Traumstrände und Inseln, von denen sich so manche überlaufene Thaiinsel eine Scheibe abschneiden könnte. Es gibt tolle Nationalparks und Zentralmalaysia ist auch heute noch dicht bewachsener Dschungel. In den Cameron Highlands herrscht mildes Klima, hier werden Tee angebaut und Erdbeeren gezüchtet. Der zweite Teil dieses faszinierenden Landes liegt nur wenige Flugminuten entfernt auf Borneo. Die Insel teilt sich Malaysia mit Indonesien und Brunei Darussalam.

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Sehenswürdigkeiten gibt es nicht viele in Melaka, fehlen tun sie dennoch nicht. Man genießt die Ruhe nach einer pulsierenden Großstadt wie Singapur, freut sich über günstiges Essen (sowohl malay food, als auch indisch und eben europäisch durch die Einflüsse der zuvor dort gewesenen Europäer) und macht eine kleine Bootsfahrt über den Kanal, mit vielen Chinesen, Malayen mit bunten Kopftüchern und dem ein oder anderen Touristen. Was nicht zu der sehr westlichen Atmosphäre passt, sind die riesigen Echsen, die im Kanal leben. Eine Art Waran, schnell zu Fuß aber eben noch schneller im Wasser. Beim ersten Mal dachten wir, der Gute hätte sich verirrt, dann aber sind hier und da immer mehr der Echsen aufgetaucht. Faszinierend aber auch ein bisschen gruselig, wenn mitten auf so einer Promenade auf einmal ein Riesenviech mit zischender Zunge vorbei läuft.

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Unser Hostel Jalan Jalan mitten in Melaka war nicht nur unglaublich süß und winzig, sondern hatte auch wirklich schöne und sehr günstige Zimmer. Die Dusche befand sich im bewachsenen Innenhof aka Garten, so dass man praktisch Open Air duschen konnte und das tolle Wetter genießen.  Abends gönnte man sich am Holztisch ein Bier und entspannte von der Hitze. Voran kommt man in Melaka am besten zu Fuß oder mit dem Fahrrad, geschäftstüchtige Malayen bieten einem aber auch gerne die Fahrt in einer Art Fahrradrikscha an. Und Leute, ich habe viele Rikschas gesehen: Thailändische, indische, kambodschanische, vietnamesische. Aber keine Rikscha hält mit denen in Melaka mit. Geschmückt ist kein Ausdruck: Hier leuchtet es pink, dort sieht man bunte Hello-Kitty-Köpfe, Lichterketten, Blumen und Glitzer. Augenkrebs deluxe!

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Über andere Reisende und durch die Lonely Planet hatten wir von einem indischen Restaurant erfahren, in dem es einen tollen, authentischen Mittagstisch geben sollte und das für kleines Geld. Also nichts wie hin da und die anderen hatten nicht zu viel versprochen. Hinsetzen, Bananenblatt vor einem ausgebreitet und schon standen 5 Inder um dich herum und jeder klatschte dir liebevoll irgendetwas auf das Blatt. Linsen, Reis, Sauce, Raita (Joghurt mit Zwiebel und Gurke) und eben das, was du dir an der Theke dazu ausgesucht hast. Dazu gab es leckeren frischen Limetteneistee und … kein Besteck. Also rein da mit den Fingern und alles schön zusammen matschen. Achja: Und nicht spucken! Das macht man hier nämlich gern mal, darf man aber nicht, daher auch überall die Warnschilder. Preise und Speisekarte übrigens auch Fehlanzeige, am Ende zahlte man einfach das, was der nette Inder von einem verlangte, ob das dann auch so stimmt, wusste wahrscheinlich nicht mal er.

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