Phnom Penh und eine Reise nach Bangkok. Oder: Wie ich Malaria bekam, die keine Malaria war

Nach sieben Stunden Nachtbusfahrt, die eigentlich recht komfortabel war; ignoriert man den beißenden Fußgeruch im Bus, der daher rührt, dass man vorn seine Schuhe ausziehen muss. Hier sind wir also in Phnom Penh, Kambodschas Hauptstadt. Weit und breit keine Unruhen zusehen, keine Schüsse zu hören – naja, herauszuhören ist zwischen dem ohrenbetäubenden Hupen der TukTuk eh nicht viel.

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Unser Hostel MeMates Villa war ganz traumhaft. Wir wechseln ja immer so zwischen luxuriösem Zweierzimmer und jugendherbergshaftem Dorm und in PP war es wieder so weit: Ein gemischtes Sechserzimmer wartete auf uns. Dieses war aber schön geräumig, mit toller Dusche und sehr sauber. Nur die Mitbewohner sind immer schon um 20 Uhr ins Bett (also spätestens).

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Seien wir ehrlich: Wir haben uns jetzt nicht tot gewandert, um uns umzusehen, es war ein entspannter Aufenthalt. Der erste Versuch in den Königspalast zu gelangen misslang leider, weil Juliane, die promiskuitive Kurvenfrau, nur einen Schal um hatte. Nicht, dass sie nicht verhüllt gewesen wäre in langer Hose, Shirt und Schal, aber : NO SCARF! NO SCARF! Wieso auch immer. Beim zweiten Mal gaben wir uns züchtig wie nie, zumindest äußerlich, das kam an. Zumindest mehr als meine Frage nach dem Alter des Königs, von dem wir gehört hatten, dass er noch Single sei. „61“, antwortete der verwunderte Wachmann, worauf ich mir sicher war, er sei ein wenig zu alt für mich. Den Witz hat der Gute leider nicht verstanden. Juli sagte, er sei kurz vor der Herzattacke gewesen. Aber hallo? Ein König? Single? Spricht tschechisch? Und Ex-Filmstudent aus Nordkorea? Da müsste man ja rein theoretisch zuschlagen. Queen of Cambodia sind nicht die schlechtesten Aussichten, vor allem wenn man den Königspalast inklusive Silberpagode gesehen hat, wie wir. Die Kambodschaner haben übrigens dieselbe Tendenz wie die Inder: Bloß nicht gut in Stand halten. Der Boden der Pagode ist daher mit herkömmlichem Teppich ausgelegt, vom Silber nix zu sehen. Aber „NO FOTO, NO FOTO!“

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Ansonsten war PP von netten Bekanntschaften gezeichnet, vor allem in den unzähligen Nachtclubs. Neben Prostituierten treiben sich dort viele Homosexuelle herum, denen ich scheinbar gut gefalle. Einer sagte, ich sähe aus wie Britney Spears. Ich hoffe zu ihren guten Zeiten. Im Hinblick auf die Uhrzeit des Kompliments aber mehr als fragwürdig. Den Knallerabend erlebte jedoch eine Bekanntschaft aus Brasilien. Der eher harmlos anmutende Architekt fand sich nach der Party zuerst opiumrauchend mit einem dubiosen TukTuk-Fahrer in den weiten eines Opiumfeldes wieder und wurde danoch couragiert Kokain zu konsumieren. Was soll ich sagen, als er ankam, hatte er eine Menge zu erzählen. Auch von dem Auto. welches er im Rausch erstanden hatte.

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Nach Tagen voller Party, Massagen (bei einer NGO, die blinden Kambodschanern dabei hilft ihren Lebensunterhalt zu verdienen), gutem Essen (u.a. bei einer NGO, die Straßenkinder ausbildet) ging es per Hotelbus (ja, ein Bett für die zwei Grazien) 16 Stunden nach Bangkok. Auf dem Weg kam das Fieber, locker 40 Grad, Schüttelfrost, Gliederschmerzen, Magenkrämpfe und alles was dazu gehört. Und während meine süße Juli friedlich schlummerte, mit Schlafbrille und Ohropax; sah ich schon das helle Licht am Ende des Tunnels. Beim Grenzüberqueren sackten mir die Beine weg und selbst der Gang zum Klo war eher eine Himalayawanderung als ein Spaziergang.

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In Bangkok angekommen, wurden mir langsam aber sicher die Ausmaße des Infekts bewusst. Ich konnte nichts mehr essen, habe gefühlt 20 Liter pro Stunde geschwitzt und nach dem Kauf des Fieberthermometers haben sich die über 40 Grad Fieber auch bewahrheitet. Nach diversen Rücksprachen mit erfahrenen Travellern, Mama und medizinischem Fachpersonal, hieß es 24 Stunden warten und dann ab zum Malariatest. Ich war praktisch schon im Koma, nachdem ich mir die Symptome und den Ausgang durchgelesen hatte. Ich meine, also ich war quasi tot – irgendwo in Thailand. Also habe ich mir ALLES gekauft was ging: Kram für Wadenwickel, Paracetamol eingeschmissen, Inhalierstifte benutzt, Vick Vaporup: einfach alles. Am nächsten Tag war das Fieber auf 39,5, am Folgetag durchgängig 38 Grad. Also das Fieberthermometer hat aktuell immer noch 38 Fieber, da blieb das Qualitätsteil aus dem 7/11-Supermarkt nämlich stehen. Und siehe da: Malaria ist besiegt. Da sach noch mal einer, man fällt davon ins Koma oder stirbt. Drei Tage habe ich gebraucht um Malaria zu töten! Auszulöschen! Essen kann ich immer noch nichts, aber Malaria, der hab ichs gezeigt.

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(Der ein oder andere wagt zu bezweifeln, dass ich wirklich unter Malaria gelitten habe, weil diese eigentlich definitiv ärztlich begleitet werden muss und behandelt auch, aber ganz ehrlich: versucht hier IRGENDWER an meiner Aussage zu zweifeln? Ich habe all die Mücken gesehen, sie waren groß und schwarz und sie haben gestochen. Eine hatte es ganz groß auf der Stirn stehen – eine Art Ninjakopfband –  M A L A R I A. Meine Mutter ist zudem unter anderem Arzthelferin, ja. (also sie zweifelt minimal an der Malariadiagnose, aber sie ist ja auch kein Arzt, also der hätte das sofort erkannt, denke ich).)

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Ein bisschen schwach bin ich noch, weil wie gesagt, mit Essen ist nix, Wasser geht ganz gut … aber auf den Schock mussten wir erstmal an einem fremden Hotelpool den Tag entspannen. Juli musste die Trauerkränze abbestellen und allen, die sich schon gefreut hatten, die traurige Nachricht überbringen, dass es doch ein Fehlalarm war. Sorry guys, I’m still in.

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Also:  Myanmar, wir kommen!